22 April 2013 ~ 2 Kommentare

Korrektur Schadenfreiheitsklasses durch Kfz-Versicherer nach 5 Jahren!

Der Kfz-Versicherer berücksichtigt Ihre persönliche Schadenfreiheitsklasse im Vertrag, da u. a. dadurch Ihr Beitrag kalkuliert wird. Was ist aber, wenn im Antrag eine falsche Schadenfreiheitsklasse eingetragen war oder die Vorversicherung keine Bestätigung vornimmt? Kann eine Korrektur auch nachträglich noch erfolgen und wie lange?

Sparte: Kfz-Versicherung allgemein (Haftpflicht und Kaskoversicherung)

Fall (Probleme mit Versicherung, Ärger mit Versicherung, weil)

Kunde beantragt einen Wechsel der Kfz-Versicherung  für das Jahr 2008 (bei Versicherung  „B“), dabei wurde Schutz für Haftpflicht als auch Vollkasko beantragt. Kurz vor dem Beginn (01.01.2008) hat der der Kunde einen selbst verschuldeten Haftpflichtschaden, welchen die alte Versicherung (Versicherung „A“) auch anstandslos an die Gegenseite reguliert.

Da dieses Schadenereignis im Antrag für den o. g. Wechsel der Versicherung noch nicht angegeben war, informiert der Kunde seinen neuen Versicherer telefonisch. Dieser wehrt erst einmal ab und möchte die Bestätigung der Vorversicherung abwarten.

Damit war diese Angelegenheit für den Kunden erledigt und abgehakt. Zum Beginn den 01.01.2008 erhält der Kunde den Versicherungsschein ohne Berücksichtigung des Schadenereignisses, denkt sich aber nichts dabei, da er davon ausgeht, dass die Bearbeitung des Schadens noch andauert.

Im April 2013 erhält der Kunde vom aktuellen Versicherer (Versicherung „B“) einen Nachtrag mit der Korrektur der Schadenfreiheitsklasse, da das Schadenereignis noch nicht berücksichtigt wurde. Die Nachzahlung von Prämie wird somit für die Jahre 2008 bis 2013 verlangt. Darauf hin wendet sich der Kunde an uns mit der Frage, ob dies legitim ist.

Lösung (Versicherung zahlt oder Versicherung zahlt nicht, weil)

Der Sachverhalt wurde mit dem Kunden als auch bei den betroffenen Versicherungen genau hinterfragt und festgestellt. Dabei stellte sich heraus das Versicherung „B“ das Schadenereignis vom Vorversicherer bereits Anfang 2008 mitgeteilt bekommen hat. Die Versicherung „B“ wird daraufhin mit diesem Status konfrontiert und es stellt sich weiterhin heraus, dass durch ein Versehen die Versicherung „B“ nicht bereits eine Korrektur in 2008 vorgenommen hat.

Rein formell betrachtet löst selbst das Eingeständnis seitens des Versicherers, noch keine Rechtsmittel aus, um die Nachzahlung ablehnen zu können. Darüber hinaus darf ein Versicherer eine Nachforderung aufgrund Korrektur der SF-Klasse solange einfordern, soweit keine Verjährung eingetreten ist.

Ungeachtet dessen ist man nach einschlägiger Verhandlung mit der Versicherung „B“ zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Jahre 2008 und 2009 kann die Versicherung nicht mehr einfordern, da die Ansprüche gemäß Gesetz bereits verjährt sind. Bezüglich der Jahre 2010 bis 2013 wurde verhandelt, dass der Kunde nur 50 % der Nachzahlung tätigen muss, da hier unweigerlich auch ein Fehler des Versicherers vorliegt. Bei der Argumentation hat sicherlich auch die Tatsache geholfen, dass der Kunde gemäß § 40 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) ein Kündigungsrecht gehabt hätte, was u. U. sogar rückwirkend möglich gewesen wäre.

Durch unser Eingreifen hat der Kunde von 6 Jahren Nachzahlung effektiv nur 1,5 Jahre ausgleichen müssen. Eine Ersparnis von 75 %!

Vorschäden müssen in jedem Antrag für eine Versicherung angegeben werden, da andernfalls eine Obliegenheitsverletzung vorliegt und die Versicherung im schlimmsten Falls sogar eine Schadenzahlung verweigern kann.


ReifenDirekt.de

 

2 Antworten to “Korrektur Schadenfreiheitsklasses durch Kfz-Versicherer nach 5 Jahren!”

  1. Maya 23 April 2013 at 16:06 Permalink

    Habe aktuell auch eine Rechnung von meiner Autoversicherung erhalten. Angeblich hat die Vorversicherung meinen Rabatt nicht bestätigt und ich wurde auf 140% hochgestuft. Muss ich die Nachzahlung von über € 250,00 wirklich zahlen?

    • Admin 23 April 2013 at 21:51 Permalink

      Hier sollte man unbedingt mit der Vorversicherung reden, warum diese den Schadenfreiheitsrabatt nicht bestätigt hat. Oft kommt dies vor, falls man eine Sondereinstufung beim Vorversicherer hatte (z. B. besondere Zweitwagenregelung). Mit ein wenig Glück ist es aber nur ein Versehen (u. U. hat die aktuelle Versicherung mit einer falschen Nummer etc. angefragt). Bitte unbedingt mit beiden Versicherungsgesellschaften telefonieren, um zu klären, wo der Fehler liegt. Soweit Sie hierzu weitere Hilfe benötigen, nutzen Sie bitte das Kontaktformular auf dieser Seite.


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