12 September 2013 ~ 4 Kommentare

Finanzkrise Teil 2: Wie sicher ist meine deutsche Lebensversicherung?

von Christian Rogalewicz

Wie sicher ist Ihre Lebensversicherung?Die Finanzkrise dauert an! Ist das Schlimmste vorbei? Selbst Finanzökonomen sind sich nicht einig, welche Phase der Krise wir derzeitig erleben. Mit ein wenig Optimismus verläuft aber alles richtig, aktuelle Finanznachrichten aus der Welt lassen dies vermuten. Sorgen macht aber die andauernde Niedrigzinsphase. Private Geldanleger aber besonders auch Lebensversicherungs-Gesellschaften erdulden niedrige Gewinne. Alte Verträge der Lebensversicherungen bieten eine garantierte Verzinsung von bis zu 4 %. Schön für den Kunden, aber können diese Gewinne auch dauerhaft von den Gesellschaften erwirtschaftet werden? Gegenwärtige Meldungen in den Medien, dass Versicherer gemäß VAG § 89 (Versicherungsaufsichtsgesetz) die Gewinne kürzen dürfen, schüren Angst u. U. sogar Panik. Ist diese angebracht?

Dieser Artikel ergänzt Teil 1 vom 29.03.2013, welchen Sie hier nachlesen können: (http://compare-versicherung.de/?p=274)

Der Garantiezins der Lebensversicherer ist seit 2003 am fallen

Aufgrund der fortwährenden Niedrigzinsphase ist zu bezweifeln, ob alle Gewinnprognosen der Versicherungsgesellschaften eingehalten werden können. Altverträge bieten im Vergleich zu heute einen enorm hohen Garantiezins (Höchstrechnungszins) von bis zu 4 %, eine bessere Rendite bei gleichzeitiger hoher Sicherheit ist aktuell wohl kaum verfügbar. Diese 4%-Rendite müssen die Versicherer aber dauerhaft über die gesamte Laufzeit bieten, es ist nicht unüblich das eine Lebensversicherung über 30-40 Jahre abgeschlossen wird.

Blicken wir zurück auf Teil 1 dieses Beitrages, da hatten wir darauf hingewiesen, dass die Lebensversicherungsgesellschaften gemäß Gesetz und Verordnungen angehalten werden, eine „sichere“ Anlage der Gelder vorzunehmen. Aus der Sicht des Kunden erstmal gut, jedoch ist auch nachvollziehbar das eine „sichere“ Anlage nur überschaubare Renditen erwirtschaften kann. Aktuelle Staatsanleihen mit einem gehobenen Sicherheitsranking liegen zum Teil bei unter 2 % Rendite. Da muss ein Lebensversicherer noch „draufpacken“ wenn der Kunde 4 % bekommen soll.

Entwicklung Garantiezins der Lebensversicherer

Die Entwicklung des o. g. Garantiezinses orientiert sich an den zehnjährigen europäischen Staatsanleihen. Der Garantiezins darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite dieser Anleihen erreichen. Somit ist nachvollziehbar, warum eine Herabsetzung erfolgt ist.

Was passiert, wenn ein Lebensversicherer die Gewinne nicht mehr zahlen kann?

Zur Zeit fällt auf, dass diverse Versicherer bereits am drehen und wenden sind, wie kann man dauerhaft die Niedrigzinsphase überstehen? Neue Tarife am Markt ohne einen Garantiezins sollen der Branche die Lösung bieten.

Die Branche versichert mit Tarifen ohne Garantiezins wesentlich besser arbeiten zu können bei höheren Renditen. Ist das so? Greifbare Ergebnisse, die das bestätigen, wird man erst nach vielen Jahren feststellen können. Vermutlich wird die „Wahrheit“ bzw. Lösung in der Mitte liegen.

Welche Bedeutung hat der § 89 VAG Abs. 2?

Das eine Lebensversicherung in Deutschland theoretisch nicht pleite gehen kann, haben wir bereits auch im Teil 1 dieses Beitrages erläutert. Dafür gibt es die Auffanggesellschaft Protektor AG, welche die betroffenen Verträge der insolventen Gesellschaft übernimmt und weiter führt.

Die Insolvenz einer Lebensversicherung könnte man aber auch vermeiden, dafür bietet § 89 Abs. 2 eine Hilfestellung. Hierüber wird geregelt, dass bei einer finanziellen Notlage der Gesellschaft eine Herabsetzung der Leistung möglich ist und darüber hinaus die Kunden ungeachtet dessen weiter Beiträge zahlen müssen. Der Lebensversicherer müsste allerdings nachträglich die getätigte Herabsetzung seinen Kunden gutschreiben, was sicherlich nicht möglich ist, falls im Nachhinein doch eine Insolvenz angemeldet wird.

Aus der Sicht der Kunden sicherlich ein unangenehmer Gedanke, da ist die Fortführung über die Auffanggesellschaft Protektor AG schon angenehmer. Ungeachtet dessen, ist es für die deutsche Wirtschaft aber wichtig, das Lebensversicherer nicht Pleite gehen. Da diese viel Kundengelder sammeln und verwalten. Das Kapitalsammelbecken und die getätigten Anlagen der Versicherer sind enorm. Aktuell gibt es über 90. Mio. Verträge in Deutschland, die Kapitalmacht der Gesellschaften ist weitreichend.

Wurde der § 89 VAG Abs. 2 schon einmal in der Vergangenheit angewandt?

Hierzu genaue Informationen zu recherchieren ist sehr schwierig, da die BAFIN aufgrund der Verschwiegentheitspflicht keine genauen Details preisgeben darf. Eine aktuelle Stellungnahme kann man daher nicht erwarten, welche auch leider nicht vom GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) vorliegt.

Aufgrund der aktuellen Berichterstattung in den Medien hat sich am 03.09.2013 der Bundestag hierzu befasst, die daraufhin verfasste Pressemeldung kann man öffentlich im Internet nachlesen (LINK).

Aus dem Inhalt dieser Meldung ist ersichtlich, dass tatsächlich seit dem Anfang der letzten Finanzkrise im Jahr 2008 durch die BAFIN wohl vier Anträge genehmigt wurden. Diesen vier Gesellschaften war es somit möglich die Leistungen zu kürzen oder sogar auszusetzen. Auflage dabei ist allerdings, dass die Gesellschaft  die Aussetzung oder Reduzierung nachholen muss sowie eine Besserung der wirtschaftlichen Lage eingetreten ist.

Eine Pleite ist nicht möglich, allerdings die vorübergehende Aussetzung der Leistung bzw. dessen Reduzierung!

In der Regel kann aber ein Lebensversicherer nicht von heute auf morgen pleite gehen, da die BAFIN (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) regelmäßig Kontrollen durchführt mit dem sogenannten „Stresstest“. Hierbei müssen die Lebensversicherer nachweisen, dass auch bei einer angedachten Krisensituation die Vertragsverpflichtungen der Kunden erfüllt werden können für mehrerer Jahre. Es liegen Erkenntnisse vor, dass Versicherer in einer Krisensituation u. U. aber nur 10-15 Jahre diese Leistungen erbringen können aus den Reserven (abhängig von der Gesellschaft).

Zahlungsschwierigkeiten eines Lebensversicherer sind problematisch aus der Sicht des Kunden aber auch für Firmen-Chefs, da in vielen Unternehmen auch  betriebliche Altersvorsorge betrieben wird. Dabei verspricht der Chef ein Teil für Ihre Altersvorsorge bei zusteuern und schließt dafür eine Versicherung ab. Wenn die Versicherung nicht zahlen kann, wer steht dann zu diesem Versprechen, der Chef selber? Dies ist zum Glück u. U. wieder ein Thema für die Auffanggesellschaft Protektor AG. Aber Achtung, der schwächelnde Lebensversicherer muss Mitglied beim GDV sein (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft), sonst sieht es schlecht aus.

Der § 89 Absatz 2  VAG bietet den Versicherungen tatsächlich eine Möglichkeit, bei einer Zwangslage eine Senkung der Leistung vorzunehmen. Im Notfall kann die Versicherungsaufsicht (BAFIN) gemäß § 89 Absatz 2 VAG einer Herabsetzung der Leistung zustimmen, das bedeutet z. B. weniger Rendite auch unterhalb des Garantiezinses (der Kunde muss aber u. U. weiter seinen Beitrag zahlen!). Die Versicherung muss bei Besserung der wirtschaftlichen Lage das Versäumte allerdings nachholen! Auch Banken haben hierfür einen „Schutz-Paragrafen“ in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (§ 19 Absatz 3 – Haftung bei höherer Gewalt).

Fazit:

Erst die Zeit wird uns die Lösung bringen, seien Sie daher wachsam! Bei jeder Geldanlage ist der Faktor Zeit eines der wichtigsten Merkmale, selbst schwache Zinsphasen können Sie mit genügend Zeit wieder ausgleichen. Da Zeit aber ein wertvolles Gut ist, sollten Sie die Auswahl Ihrer Geldanlagen mit besonderer Sorgfalt tätigen. Legen Sie viel Wert auf sicherere Anlagen, prüfen Sie vorher, wem Sie Geld anvertrauen. Es wird immer Banken oder Versicherungen geben, welche besser und solider positioniert sind als andere. Setze Sie auf das „richtige Pferd“.

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4 Antworten to “Finanzkrise Teil 2: Wie sicher ist meine deutsche Lebensversicherung?”

  1. Prof. Maximus 12 September 2013 at 22:44 Permalink

    Lebensversicherung sind doch alles Geldvernichtungsmaschinen, dabei profitiert doch nur die Versicherung. Ich habe meine Versicherungen schon vor Jahren alle gekündigt und lebe gut damit!

    • Christian Rogalewicz 13 September 2013 at 11:44 Permalink

      Danke für diesen Kommentar. Darf ich Sie fragen ob Sie schlechte vermutlich besonders negative Erfahrungen mit Ihren Versicherungsverträgen gemacht haben, u. U. auch mit der Vermittlung? Besonders die Beratung durch den Vermittler ist nicht nur beim Abschluss sondern auch während der Vertragslaufzeit wichtig. Es wird immer wieder in den Medien von negativen Folgen bei der Lebensversicherungen informiert, nicht immer steckt da auch die Wahrheit dahinter. In solchen Fällen kann ein Gespräch mit dem Vermittler viel klären!

      Im Beratungsalltag erleben wir so einiges, aber auch das „Gute“ wovon keiner oder nur wenige reden. Diverse Lebensversicherungen haben wir in den vergangenen Jahren betreut und auch den Kunden bei der Auszahlung beraten. Durchaus gibt es noch Verträge welche die vereinbarten Leistungen zum Ablauf und manchmal sogar mehr auszahlen!

  2. nichtwähler 13 September 2013 at 16:29 Permalink

    Nächste Hiobsbotschaft aus Europa: Das EU-Parlament hat beschlossen das notleidende Banken direkt Gelder aus den Sicherungsfond beantragen können. Da stecken meine und Ihre Steuergelder drin! Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Slowenien werden sich sicherlich freuen.

    • Christian Rogalewicz 13 September 2013 at 16:50 Permalink

      Dieser Beschluss sieht lediglich die Einführung einer EU-Bankenaufsicht vor welche bis 2014 eingeführt wird. Tatsächlich soll von dieser Stelle dann über Gelder an Banken oder Staaten aus der EU in einer Schieflage beraten werden. Das Geld kommt vom ESM (Europäische Stabilitätsmechanismus), welchen es erst seit Ende 2012 gibt und ein Teil der Maßnahme „Euro-Rettungsschirm“ war. Der ESM ist mit Kapitalmitteln bis 700. Mrd. Euro ausgestattet, davon kommen bzw. werden u. U. von der BRD etwas 27% zu gesteuert. Die vertraglichen Vereinbarungen des ESM sind bindend. Insgesamt besteht hierzu ein Widerspruch zum Maastrichter-Vertrag, welcher im Jahr 1992 u. a. vereinbarte, dass nicht für andere Länder eingestanden werden muss! Somit ist die Einführung der EU-Bankenaufsicht nicht sonderlich dramatisch, eher die Tatsache das es den ESM gibt! Weitere Details zum ESM bietet Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Stabilit%C3%A4tsmechanismus


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