15 Mai 2013 ~ 5 Kommentare

Betriebliche Altersvorsorge: Achtung Ihre Direktversicherung ist in Gefahr

Die betriebliche Altersvorsorge ist einer der sinnvollsten und renditestärksten Möglichkeiten die eigene Altersvorsorge zu gestalten. So umständlich sich die Abwicklung anhört, ist es doch am Ende recht simpel und einfach. Die gewünschte Altersvorsorge in der Form einer Lebensversicherung wird über den Umweg zum Arbeitgeber (Chef) abgeschlossen. Der Arbeitnehmer (Sie) erhält über den Vertrag bzw. die Leistungen daraus ein Bezugsrecht. Da diese Form der Altersvorsorge über den Arbeitgeber läuft, ist der Chef auch Versicherungsnehmer und Inhaber der Policen. Was passiert wenn der Arbeitgeber bzw. die Firma infolge Pleite aufgelöst wird?

Was ist wenn der Chef eine Insolvenz anmelden muss?

Nachfolgend wollen wir klären, ob Ihr Geld bei der Insolvenz vom Chef verloren ist. Vornweg erscheint es aber sinnvoll, die Grundsätze einer betrieblichen Altersvorsorge zu erläutern.

Die Prämie einer betrieblichen Altersvorsorge wird aus dem Gehalt gezahlt und das suggeriert auch schon den „großen“ Vorteil. Der Staat belohnt diese Vorgehensweise mit Vergünstigungen in der Form, dass auf die Prämie keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen (z. B. gesetzliche Krankenversicherung oder auch gesetzliche Rentenversicherung).

Vorteile_BAV

Aus der o. g. Grafik ist ersichtlich, dass durch die gesparten Sozialversicherungsbeiträge am Ende mehr in Ihre eigene Altersvorsorge fließt. Davon profitieren Sie als Kunde aber auch Ihr Chef.

Für diese Form der Lebensversicherung gibt es verschiedene Anlagemöglichkeiten, die sogenannten Durchführungswege. Sehr oft findet die „Direktversicherung“ ihren Einsatz da diese als besonders einfach in der Handhabung bekannt ist. Zudem haben Sie als Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch, auf die Durchführung einer Direktversicherung, selbst dann wenn Ihr Chef keine betriebliche Altersvorsorge anbietet.

Eine Übersicht über alle Durchführungswege und deren Vorteile und natürlich auch Nachteilen, kann man sehr gut auf Wikipedia nachlesen.

Betriebliche Altersvorsorge nach der Pleite des Chefs

Da der Vertrag ja auf den Namen Ihres Chefs bzw. der Firma abgeschlossen ist, wird bei einer Insolvenz genau geprüft wie Ihre betriebliche Altersvorsorge zu bewerten ist.

Insgesamt kommt es immer darauf an was das Unternehmen noch an Vermögenswerten hat, ein Insolvenzverwalter wird sicherlich immer erst einmal versuchen das Geld „leicht“ zu erwirtschaften.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge wird der Status eines Vertrages geprüft und der Zeitpunkt wann u. U. eine Forderung entstanden ist. Zu unterscheiden ist auch, was mit der Zahlung der Beiträge passiert und noch wichtiger was ist mit der Leistung (Guthaben) des Vertrages?

Als Arbeitnehmer können Sie im Idealfall von der Arbeitsagentur das sogenannte Insolvenzgeld beantragen, was u. U. auch die Zahlung von einer betrieblichen Altersvorsorge vorsieht. Hierzu nachfolgende Aufstellung zur Versachlichung und Darstellung:

Rückständige Beiträge im berechtigten Insolvenzgeldzeitraum:

Arbeitgeber (Chef) zahlte bisher die Prämie (arbeitgeberfinanziert): Die Arbeitsagentur kommt nicht für die Prämien auf, wenden Sie sich an den Insolvenzverwalter und informieren ggf. die Versicherung.

Arbeitnehmer (Sie) zahlten bisher die Prämien durch Verzicht auf Gehalt (arbeitnehmerfinanziert): Es ist möglich das die Arbeitsagentur die Prämien weiterzahlt, informieren Sie die Arbeitsagentur. Soweit Sie eine betriebliche Altersvorsorge besparen in der Form der Direktzusage oder Unterstützungskasse ist jedoch der Pensionssicherungs-Verein (PSVaG) zu informieren.

Rückständige Beiträge vor dem berechtigten Insolvenzgeldzeitraum (z. B. fällige Prämien, die der Arbeitgeber seit Monaten nicht mehr gezahlt hat):

Diese Ansprüche müssen Sie beim Insolvenzverwalter geltend machen, dieser prüft dann ob Sie eine Leistung erhalten.

Ihre Ansprüche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens: Diese Thematik ist schon komplexer da es jetzt nicht mehr nur um die Prämie geht, sondern auch um die generellen Leistungen und Zusagen Ihrer betrieblichen Altersvorsorge (zukünftige Handhabung des Vertrages).

Hierfür muss geprüft werden ob eine unverfallbare Anwartschaft vorliegt, damit wird geregelt ob die Leistung und das Guthaben dem Chef oder Ihnen gehören. Soweit der Chef die Prämie zahlt, ist das nachvollziehbar dass dieser sich ein Recht auf den Vertrag behalten möchte. Zahlen Sie allerdings selber und verzichten als Arbeitnehmer auf einen Teil des Gehaltes, gehören die Ansprüche jedoch sofort Ihnen.

Das Betriebsrentengesetz wird hierfür zugrunde gelegt, dieses besagt Folgendes:

Ihre Ansprüche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens:

Arbeitgeber (Chef) zahlte bisher die Prämie (arbeitgeberfinanziert): Verträge (Zusagen) welche ab dem 01.01.2009 abgeschlossen wurden, erreichen die Unverfallbarkeit  wenn der Vertrag mindestens 5 Jahre Laufzeit vorzuweisen hat und der Bezugsberechtigte (Arbeitnehmer) mindestens 25 Jahre alt ist. Historisch gibt es für den Zeitraum 01.01.2001 bis 31.12.2008 eine abweichende Regelung für das Alter mit dem 30. Lebensjahr. Noch ältere Verträge mit einem Beginn in 21.12.1974 bis 31.12.2000 sehen sogar eine 10 jährige Vertragslaufzeit vor und das Alter von 35. Lebensjahren.

Arbeitnehmer (Sie) zahlten bisher die Prämie (arbeitnehmerfinanziert): Es liegt eine unverfallbare Anwartschaft vor.

Liegt keine unverfallbare Anwartschaft vor, sind die Ansprüche des Arbeitgebers im schlimmsten Fall verloren bei der Pleite des Chefs!

Wurde die Prämie vom Arbeitnehmer selbst bezahlt oder liegt eine unverfallbare Anwartschaft mittlerweile vor, können Sie sich beruhigen, sind allerdings noch nicht ganz im sicheren Hafen.

Damit der Vertrag und auch das entsprechende Guthaben auf Sie privat umgeschrieben werden kann, ist es u. U. erforderlich, dass im Vertrag ein unwiderrufliches Bezugsrecht vereinbart ist. Damit stehen Sie als bezugsberechtigte Person von Anfang an fest, eine Änderung war bisher nicht vom Arbeitgeber möglich und somit auch nicht vom Insolvenzverwalter.

Fehlt das unwiderrufliche Bezugsrecht als auch die unverfallbare Anwartschaft, kann im schlimmsten Fall der Insolvenzverwalter dann sogar einer Umschreibung der Police auf den Arbeitnehmer (Sie) verbieten und den Vertrag kündigen. Das Guthaben aus dem Vertrag würde dann der Insolvenzmasse hinzufließen.

Anbei eine Zusammenfassung bezüglich des Bezugsrechtes:

Bezugsrecht_BAV

Somit kann man feststellen, dass eine betriebliche Altersvorsorge, welche vom Arbeitnehmer gezahlt wurde, auch bei einer Insolvenz des Chefs sicher ist!

Problematisch wird es bei der Pleite des Chefs, wenn dieser vorher die Prämie für die Versicherung übernommen hat, dann kann sogar bei einer vorhandenen Unverfallbarkeit der Versicherungsvertrag in Gefahr sein.

TIPP: Betroffene, welche Ihre Ansprüche gegen den Arbeitgeber gerichtlich geltend machen wollen, müssen auf den Ersatz ihres Versorgungsschadens klagen (nicht auf die Übertragung des Versicherungsvertrags, oder auf die Erstattung der gezahlten Beiträge). Da es u. U. um höhere Streitwerte geht, sollte man im Vorfeld die Kosten klären.
Glücklich kann man sich schätzen wenn man dann eine Rechtsschutzversicherung hat, welche dann die Kosten übernimmt. Einen Preisvergleich für eine Rechtsschutzversicherung können Sie hier vornehmen: GÜNSTIGE RECHTSSCHUTZVERSICHERUNG

Was ist bei einer Pleite der Versicherung?

In diesem Fall tritt die Auffanggesellschaft Protector ein und sichert die Ansprüche der Versicherungskunden. Diese Auffanggesellschaft wurde im Jahr 2002 von allen Lebensversicherungsgesellschaften gegründet, die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) organisiert sind. Bisher musste Protector erst ein einziges Mal aktiv werden, nämlich im Jahr 2003, als die angeschlagene Mannheimer Lebensversicherung übernommen wurde.

FAZIT:

Die betriebliche Altersvorsorge ist eine der sinnvollsten Formen um seine Altersvorsorge zu bestreiten, ungeachtet gibt es aber auch diverse Reglementierungen durch den Staat. Informieren Sie sich vorab im Detail über Vor- und Nachteile und lassen sich umfangreich beraten. Die unterschiedlichen Durchführungswege zeichnen sich anhand verschiedener Vor- als auch Nachteile aus, prüfen Sie welche die bessere Lösung ist.

Eine Direktversicherung wird oft angewandt was in großen und ganzen meistens sinnvoll ist, unsere Aussagen beziehen sich daher auch auf diese Lösung. Kommt es zu einem Abschluss und Sie zahlen die Prämien selber, ist es sehr wichtig das ein unwiderrufliches Bezugsrecht im Vertrag vereinbart ist.

Zahlt der Chef die Prämie weil er statt einer Gehaltserhöhung eine betriebliche Altersvorsorge vorzieht, sollte Ihnen klar sein, dass in den ersten 5 Jahren das Risiko besteht, dass bei Insolvenz vom Chef der Vertrag u. U. verloren ist. Am Ende sind es kleine Details die zu Nachteilen führen, welche Sie durch eine gute Beratung im Vorfeld aber sicher vermeiden können.

 

 

5 Antworten to “Betriebliche Altersvorsorge: Achtung Ihre Direktversicherung ist in Gefahr”

  1. Siegfried_1965 15 Mai 2013 at 14:59 Permalink

    Wenn ich weniger in die Sozialversicherung einzahlte, wird auch automatisch weniger für die gesetzliche Rentenversicherung verwendet. Somit erwerben ich im gleichen Zug doch auch weniger Ansprüche für eine Altersrente aus der gesetzlichen Absicherung. Richtig?

    • Admin 15 Mai 2013 at 15:22 Permalink

      Das ist im Prinzip Korrekt, jedoch in vielen Fällen zu vernachlässigen, da der Nachteil minimal sein wird. Da es in der gesetzlichen Rentenversicherung nach sogenannten Entgeltpunkten geht und nicht nach eingezahlten Beiträgen, relativiert sich dies um so mehr. Auf Basis der im Beitrag aufgeführten Grafik „Ersparnis von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen…“, werden effektiv 0,04 weniger Entgeltpunkte erworben. In Euro gesprochen macht das in etwa eine gekürzte Jahresrente von € 1,12 aus (tatsächlich pro Jahr). Dies Angabe wurde nur grob Überschlagen daher kann es sich u. U. auch um einen geringfügig höheren Betrag handelt, ungeachtet dessen erhält der o.g. Mustersparer durch die betriebliche Altersvorsorge eine Rentenleistung welche vermutlich bei über € 100,00 pro Monat liegt. Einen „echten“ Nachteil kann ich hierbei nicht erkennen, also keine Sorge.

  2. merolan 16 Mai 2013 at 04:47 Permalink

    Ich habe über die BAV meiner Firma auch eine Berufsunfähigkeitsabsicherung laufen, diese soll im schlimmsten annehmbaren Fall, wenn ich nicht mehr arbeiten kann, eine Rente zahlen. Können sie sagen was damit passiert bei einer Insolvenz meiner Firma? Danke im Voraus.

    • Admin 16 Mai 2013 at 09:08 Permalink

      Sehr schwieriges Thema, formal juristisch auch eine Grauzone. Im Idealfall gibt es u. U. für den Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente (Leistung) einen gesetzlichen Pfändungsschutz, da kommst es aber wieder auf den Status und diverse Gegebenheiten an. Für einen Vertrag der aktuell noch bespart wird bzw. bisher keine Leistung erbracht hat, gelten im Prinzip die o.g. Regeln. Da sich bei einem so wichtigen Absicherungsbereich, diverse Unklarheiten nicht klären lassen, würde ich eine Berufsunfähigkeitsabsicherung nie über den Arbeitgeber abschließen (bis auf wenige Ausnahmen).

  3. Mira 23 September 2013 at 05:35 Permalink

    Toller Artikel zur Riester-Rente. Ein paar Informationen über die genaue Höhe der Zuschüsse vom Staat wären sicherlich auch interessant. Ansonsten…


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